Am 4. April 2025 hat Alexander Wehrle, Vorstandschef des VfB Stuttgart, in einem Podcast über seine Erfahrungen mit Homosexualität und den Fortschritt der Diversität im deutschen Profifußball gesprochen. Wehrle outete sich erstmals im Alter von 23 Jahren an Heiligabend, was er rückblickend als „doofen Zeitpunkt“ bezeichnete. Die emotionale Situation sei für ihn und seine Familie aus mehreren Gründen herausfordernd gewesen.
Sein Vater, aus einer anderen Generation stammend, reagierte mit mehr Verständnis, während seine Mutter bereits positiv auf Wehrles Sexualität reagierte. Diese Reaktion könnte darauf hinweisen, dass sie über seine Homosexualität Bescheid wusste, zumal sie auch einen schwulen Bruder hat. Wehrle, der seit März 2022 als Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart tätig ist, folgte Thomas Hitzlsperger auf diesem Posten.
Fortschritte in der Diversität
Wehrle äußerte im Gespräch auch optimistische Gedanken über zukünftige Coming-outs von aktiven Fußballspielern in Deutschland. Er ist überzeugt, dass wir in naher Zukunft weitere solche Bekenntnisse erleben werden. „Es gibt deutliche Bemühungen von Verbänden, Vereinen und Fangruppierungen in Bezug auf Diversität“, so Wehrle. Besonders hervorzuheben ist sein Hinweis auf die Möglichkeit eines Gruppen-Coming-outs, das eine noch breitere Wirkung entfalten könnte.
Ex-Jugendnationalspieler Marcus Urban plant ein solches Gruppen-Coming-out, das am 17. Mai 2024, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, stattfinden soll. Demnach könnten mehrere Spieler gemeinsam ihre Homosexualität offenbaren, was einen symbolischen Akt der Solidarität darstellen würde. Dieser Schritt könnte helfen, die im Fußball herrschende Kultur des Schweigens zu verändern.
Die Herausforderungen und die Unterstützung
Wehrle hebt hervor, dass immer noch viele Spieler Angst vor den möglichen negativen Konsequenzen eines Coming-outs haben. Die gesellschaftliche Toleranz gegenüber Homosexualität hat zwar zugenommen, doch im Männerfußball bleibt dieses Thema häufig ein Tabu. Bisher hat sich kein aktiver Fußballprofi in Deutschland öffentlich zu seiner Sexualität bekannt, was die Herausforderungen verdeutlicht, denen sich betroffene Spieler gegenübersehen.
Umso bedeutender ist die Initiative „Sports Free“, die Urban ins Leben gerufen hat. Diese Plattform richtet sich nicht nur an Spieler, sondern auch an Vereinsfunktionäre und setzt sich für ein geschlechtsneutrales Umfeld ein. Ziel dieser Initiative ist es, einen niederschwelligen Zugang für Coming-outs zu schaffen und dadurch eine fortdauernde Diskussion über Diversität im Fußball anzuregen. Unterstützt wird diese Initiative von mehreren Bundesligisten, darunter der VfB Stuttgart sowie Borussia Dortmund, SC Freiburg und FC St. Pauli.
Der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat die langsame Entwicklung im Fußball kritisiert und zeigt sich enttäuscht über die bisherige Realität. Insgesamt gibt es weltweit lediglich sieben aktive Profis, die offen homosexuell leben. Die Fortschritte, die in Bezug auf die Akzeptanz von LGBTQ+-Athleten erzielt wurden, werden als entscheidend für die Zukunft des Fußballs angesehen.
Alexander Wehrle betont, dass Coming-outs individuelle Entscheidungen sind, die nicht erzwungen werden sollten. Er steht bereit, Spieler zu unterstützen, die sich ihm anvertrauen möchten, und kündigt an, die Mannschaft sowie die Medien für ein respektvolles Verhältnis gegenüber dem Thema zu sensibilisieren. Trotz der Herausforderungen im deutschen Fußball bleibt die Hoffnung auf positive Veränderungen und Sichtbarkeit bestehen.
Für Wehrle zeigte sich diese positive Entwicklung auch in seiner eigenen Lebenssituation: Im August 2024 heiratete er seinen langjährigen Partner Thomas Kugler und engagiert sich in diesem Jahr als Schirmherr des CSD Stuttgart. Diese persönlichen Erlebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, Vielfalt im Sport sichtbar zu machen.