Der indische Industriekonzern Suprajit hat den deutschen Autozulieferer SCS Stahlschmidt übernommen. Der Verkauf, der am 1. April 2025 abgeschlossen wurde, betrifft sämtliche Standorte des Unternehmens, darunter auch die letzten beiden in Kanada und China. Diese Maßnahme kommt nach einer Insolvenz von SCS, die im Jahr 2023 angemeldet wurde und erheblichen Druck auf die Belegschaft und die Marktstellung des Unternehmens ausübte.
Die Übernahme sichert weltweit mehr als 1000 Arbeitsplätze, darunter 65 in Bad Berleburg, Deutschland. SCS Stahlschmidt hatte sich auf Produkte spezialisiert, die in PKW-Türen, Front- und Heckklappen sowie Sitzanlagen verbaut werden. Die Fertigung in den Werken in Kanada und China beliefert zudem führende Automobilhersteller in Nordamerika und Asien, was Suprajit ermöglicht, seine Marktposition in diesen Regionen zu stärken.
Ein neuer Anfang nach der Insolvenz
Die Insolvenz von SCS war auf eine Kombination aus hohen Material- und Energiepreisen sowie einen Rückgang bei den Aufträgen zurückzuführen. Diese Entwicklungen sind Teil eines umfangreicheren Problems, das die Autoindustrie in Deutschland betrifft. Viele bedeutende Zulieferer wie Volkswagen, Siemens, Audi, Bosch und ZF Friedrichshafen haben bereits Jobabbau-Programme angekündigt. Die Unsicherheiten durch den Handelskrieg mit den USA und die Rückgänge bei den Gewinnen haben die Branche weiter unter Druck gesetzt.
Der Firmenchef von Suprajit, Ajith Rai, kündigte an, dass eine Konsolidierung und Umstrukturierung des übernommenen Unternehmens geplant sei. Der Integrationsprozess wird von Friedemann Faerber, dem Geschäftsführer von SCS Deutschland, begleitet. Im Zuge dieser Maßnahmen kündigte Rai mittelfristige Verbesserungen im Kundenservice sowie ein globales Wachstum und Margensteigerungen an.
Transformation und Umstrukturierung
Die Transformation von SCS Stahlschmidt erfolgt in zwei Phasen. Zunächst bleiben die meisten der 85 Arbeitsplätze in Bad Berleburg erhalten. Am 1. Juni 2024 wird jedoch eine Transfergesellschaft für 18 Beschäftigte eingerichtet, um einen sozialverträglichen Übergang zu ermöglichen. Ein Jahr später werden weitere 11 Mitarbeitende folgen, was die Auswirkungen der Umstrukturierung abmildern soll.
Suprajit plant, mit der Übernahme nicht nur die bestehenden Märkte in Europa und Nordamerika zu erschließen, sondern auch seine Position im Automotive-Bereich zu stärken. Dadurch wird die Präsenz des Unternehmens in der globalen Autoindustrie verstärkt. Der Kauf umfasst nicht nur SCS Deutschland, sondern auch Standorte in Polen und Marokko, was eine umfassende internationale Expansion signalisiert.